Chef ohne Chefrolle

von | 28. Aug. 2025 | Aktuelles, News, Unser Unternehmen, Unternehmenskultur

Chef ohne Chefrolle:

Verantwortung leben, Vertrauen halten

Chef sein und trotzdem keiner sein. Kein Titel. Keine Ansagen. Kein Kontrollblick über den Schreibtisch. Nur die Verantwortung, die bleibt – egal wie sehr wir auf Augenhöhe arbeiten.

New Work bedeutet für mich: nicht weniger Verantwortung, sondern eine andere Art, damit umzugehen. Keine Machtspiele. Keine Hierarchien, die Entscheidungen delegieren. Sondern Vertrauen. Echte Nähe. Und der Mut, nicht immer einzugreifen.

Vertraue, auch wenn’s schwerfällt

Ich gehe jeden Tag davon aus, dass alle hier ihr Bestes geben. Nicht, weil ich’s kontrolliere. Sondern weil ich ja weiß, dass diese Menschen hier arbeiten WOLLEN und immer ihr Bestes geben.

Ich arbeite nicht mit Mitarbeitenden, sondern mit Kolleg:innen. Das ist nicht nur eine Sprachfrage, sondern Haltung. Ich will auf Augenhöhe arbeiten, so oft es geht. Trotzdem gibt es die Momente: Wenn Entscheidungen anders getroffen werden, als ich es getan hätte. Wenn ich denke: „Das könnte ich schneller/anders/besser lösen.“ Wenn mein Bauch schreit: „Greif ein!“

Genau dann fängt Führung an. Aushalten. Raum lassen. Wachstum zulassen. Nur wer seine eigenen Entscheidungen trifft – und seine eigenen Fehler macht, wächst wirklich.

Und manchmal fällt das schwer. Gerade wenn ich merke: Das hätte ich ganz anders gemacht. Dann rutscht mir auch mal ein Kommentar raus. Oder ich bin zu schnell mit meiner Bewertung. Das passiert. Aber ich lerne, immer wieder.

Vertrauen ist für mich ein Vorschuss. Ich glaube daran, dass Menschen hier sind, weil sie es wollen und dass sie das Beste geben. Und genau das will ich nicht: durch Kontrolle zerstören.

„Vertrauen heißt nicht wegschauen. Vertrauen heißt: Raum geben, auch wenn’s manchmal schwerfällt.“

Wenn Verantwortung unbequem wird

New Work lebt von Selbstorganisation. Aber nicht alles lässt sich demokratisch lösen. Manche Entscheidungen müssen getroffen werden. Manche Verantwortung kannst du nicht teilen.

Kündigungen zum Beispiel. Oder Entscheidungen, die unbequem sind, aber notwendig.

Dann bin ich nicht Kollege. Dann bin ich der, der die Verantwortung trägt. Und ehrlich: Das fühlt sich oft nicht gut an. Ich glaube, ich leide da manchmal mehr als die gekündigte Person selbst. Weil ich da einen Menschen vor mir habe. Und weil ich denke: Ich will dieser Person diese Nachricht eigentlich nicht überbringen. Aber es gehört dazu.

Und ja, manchmal hab ich den Impuls, auch mal zu schimpfen. Das fällt mir schwer. Weil ich eigentlich davon ausgehe, dass alle ihre Entscheidungen selbst treffen können. Und trotzdem spüre ich manchmal: Jetzt muss ich was sagen. Auch wenn’s nicht meine Art ist. Auch wenn es mich rauskatapultiert aus der Kolleg:innen-Rolle.

Ich sehe das aber nicht als Widerspruch. Wir alle hier haben besondere Aufgaben. Jessie macht Buchhaltung. Andere schreiben Blogbeiträge. Ich kümmere mich ums Teamgefüge, um Exzellenz am Kunden, um Markttrends.

Das ist mein Job.

Nähe schaffen, wo Distanz herrscht

Wenn du Remote arbeitest, bekommst du Konflikte nicht zufällig mit. Du musst genau hinsehen. Du musst Räume schaffen, in denen Menschen sich zeigen können.

Unsere Check-ins mit Stimmungsbildern sind genau dafür da. Kein Smalltalk. Kein Pflichtprogramm. Ein kurzer Moment, um zu sehen: Wer steht heute wo? Wer braucht heute vielleicht mehr Raum?

Wir nutzen Karten mit Wettersymbolen, Wirbelsturm, Bauchgrummeln, Sonnenschein. Ohne Erklärungspflicht. Aber mit Signalwirkung: Achtung, heute ist bei mir vielleicht nicht der richtige Tag für Diskussionen auf der Sachebene.

Und manchmal reicht Interesse nicht. Manchmal braucht es Moderation. Coaching. Mediation. Nicht, weil jemand gescheitert ist, sondern weil Wachstum genau da beginnt, wo es weh tut.

Auch unsere Workations helfen: Wenn wir mal fünf Tage am Stück an einem Ort arbeiten, passiert Nähe. Da wird klar, was fehlt, wenn wir nur remote sind, aber auch, was wir nicht vermissen. Diese Tage zeigen: Nähe ist machbar. Und wertvoll.

Struktur, die Freiraum ermöglicht

Damit remote nicht im Chaos endet, braucht es Struktur. Klare Regeln. Klare Abläufe. Nicht als Einschränkung, sondern als Fundament, auf dem Freiheit erst möglich wird.

Wo wir kommunizieren. Wie wir Entscheidungen teilen. Was wo dokumentiert wird. Das ist nicht Kontrolle. Das ist Klarheit.

Unsere Jour Fixes, unsere BDev-Tage, unsere Kommunikationsregeln, das alles ist Struktur und sie hilft dabei, dass nicht jeder für sich raten muss: „Wie spreche ich das jetzt am besten an?“ oder „Wo gehört das eigentlich hin?“.

Was Führung für mich heute bedeutet

Die Zukunft gehört kleinen, schnellen Teams. Teams, die Vertrauen, es ernst meinen. Die Konflikte nicht unter den Teppich kehren. Die in der Lage sind, ohne ständige Kontrolle ihre beste Arbeit zu machen.

„Wer immer nur das macht, was er kann, bleibt für immer genau da stehen.“

Ich will nicht stehenbleiben. Ich will wachsen. Und ich will ein Umfeld schaffen, in dem andere das auch können, mit allem, was dazugehört: Vertrauen, Entscheidungen, Reibung, Nähe.

Führung ist heute kein Titel mehr. Führung ist Haltung.