6. Juli 2021 Dinah Schönhusen

Nutzt Ihr schon Multiplikatoren oder lasst Ihr Euren digitalen Change versagen?

Der digitale Wandel betrifft alle Mitarbeitenden, unabhängig von der Hierarchiestufe oder dem Vorwissen. Das bedeutet, für einen erfolgreichen Change müssen alle MitarbeiterInnen erreicht werden. Alle. Wie ist das möglich? Klar, über Kommunikation. Informiert ihr Eure MitarbeiterInnen schon in Mails und Newslettern? Oder auf Eurem Intranet? Super!

Aber reicht das aus? Leider nein, keinesfalls.

Engagement

Echten Erfolg erreicht Ihr, wenn Ihr Interaktionen ermöglicht. Eure KollegInnen wollen nicht nur mit Informationen und gut gemeinten Tipps bespielt werden. Sie wollen etwas fragen, ihren Frust loswerden oder individuelle Hilfestellung, wenn sie mal festhängen und an einem Problem verzweifeln. Sie brauchen menschliche Interaktion. Wir Menschen sind Rudeltiere und Teamplayer, also lasst uns im Team wirken.

Kurzer Dienstweg

Vielleicht nutzt Ihr auch schon Multiplikatoren? Oder Key UserInnen oder Power UserInnen? Ganz egal, welchen Namen Ihr ihnen gebt, Multiplikatoren haben einen direkten Draht zu den Mitarbeitenden. Sie können direkt angesprochen werden und sich mit individuellen Problemen auseinandersetzen. Sie können hilfreiche Quellen nennen oder die richtigen Ansprechpartner finden. Sie sind jemand auf Augenhöhe, jemand der bekannt ist, jemand von uns. Die Hemmschwelle Multiplikatoren um Hilfe zu bitten, ist bei Mitarbeitenden deutlich geringer, als andere Ressourcen anzuzapfen. Multiplikatoren können unter Umständen auch selbst Workshops durchführen oder speziell für Führungskräfte zuständig sein, je nach Ausbildungsstand. Und selbst wenn Multiplikatoren all dies nicht oder nur wenig tun, so sind sie doch eines: Vorbilder. Sie leben den Wandel. Durch echtes Vorleben werden die meisten Personen erreicht. Richtig platzierte Fragen, Hinweise und Tipps zu neuen Tools, neuen Arbeitsweisen usw. von den Multiplikatoren, beispielsweise in Meetings, lassen das Thema ständig präsent sein und öffnen den Geist der KollegInnen. Multiplikatoren bleiben dran und sind nahbar, und das ist genau das, was Ihr für Euren erfolgreichen digitalen Change braucht.

Einer für alle. Alle für Einen.

Multiplikatoren sind zusätzlich das Sprachrohr des Projektteams. Sie erhalten direktes Feedback von den Mitarbeitenden und können dieses an das Projektteam weitergeben. Dadurch fußen Maßnahmen nicht so sehr auf Annahmen, sondern mehr und mehr auf Fakten, je länger der Einsatz der Multiplikatoren und der Wandel im Unternehmen andauert. Beachtet unbedingt dieses Feedback, denn so bekommen Mitarbeitende das Gefühl gehört zu werden. Dies steigert das Engagement, verringert Frustration und stärkt die Verbindung zum Unternehmen. Alles Punkte, die gerade in diesen Zeiten immer wichtiger werden.

Wie wird man Multiplikator?

Wie werden nun Mitarbeitende zu Multiplikatoren? Zumeist werden diese Personen im Rahmen eines Veränderungsprojektes benötigt. Es macht Sinn, sie direkt in solch ein Projekt zu involvieren und mitwirken zu lassen. Vielleicht finden sich auch im Projektteam selbst Multiplikatoren. Für weitere interessierte Personen bietet sich zumeist ein kurzes Onboarding an, in dem vor allem das neue Mindset sowie die Veränderung selbst und deren Mehrwerte vermittelt werden. Können sich Multiplikatoren im Anschluss untereinander austauschen und sich gegenseitig weiterhelfen oder auch zusammenarbeiten und hält das Projektteam diese Multiplikatorengruppe stets auf dem Laufenden und beantwortet Fragen, ist ein gelungenes Onboarding erfolgt.

Nachhaltigkeit

Wenn ihr es irgendwie schafft, haltet Eure Multiplikatoren aktiv. Und zwar über die Projektlaufzeit hinaus. Die Welt ist stetig im Wandel. Digitalisierung nimmt Formen an, die wir uns vor zwei Jahren kaum hätten vorstellen können. Wie wird es wohl in 4 Jahren aussehen? Der Change wird im Unternehmen immer präsent sein. Multiplikatoren sind Euer Geheimwerkzeug. Sie kennen die Mitarbeitenden, kennen Befindlichkeiten, kennen die tatsächlichen Prozesse und Probleme – fragt sie.

Es stechen immer wieder Multiplikatoren heraus, die großes digitales Interesse haben und sich selbstständig weiterbilden. Diese Personen werden zu TreiberInnen der Innovation und Motivation im Unternehmen und sind damit besonders wertvoll. Diese Personen sollten unbedingt wertgeschätzt werden.

Multiplikatoren Branding

Versorgt die Multiplikatoren beispielsweise schon frühzeitig mit neuen Informationen, bezieht sie  bei der Meinungsfindung ein, kreiert Batches oder T-Shirts, Postkarten oder Videos über die einzelnen Persönlichkeiten und deren Erfahrungen. Führt Q&A-Calls sowie Veranstaltungen und Workshops speziell für Multiplikatoren durch. Implementiert die Multiplikatorenausbildung als festen Weiterbildungs-Bestandteil in Eurem HR-Department. Es darf ein Vorteil für die eigene Karriere werden, ein Multiplikator zu sein. Lasst sie auf Veranstaltungen und in Webinaren auftreten. Gebt ihnen Sichtbarkeit bei höheren Hierarchiestufen. Hört genau hin, was Eure Multiplikatoren zu sagen haben.

Vor allem aber: Gebt ihnen ausreichend Zeit, um ihrer Rolle gerecht zu werden, damit statt Frust immer mehr Freude am Neuen entsteht und stetig wächst. Nur so kann ihre Freude auch authentisch weitergegeben werden und nach und nach alle Mitarbeitenden erreichen, damit der digitale Wandel umfassend und nachhaltig verankert wird.